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Gedächtniskünstler Jens der Denker mit Super-Gedächtnis

Der Mann ist ein wandelndes Lexikon. Fragen wie "Welches Lebensmittel ist ewig haltbar? Von welcher karibischen Insel stammt der Sänger Shabba Ranks? Was ermittelt ein GfK-Meter? oder Wie heißt der größte Goldfisch?" zählen für den Gedächtniskünstler Jens Seiler, alias Jens der Denker, zu den leichteren Übungen. Jens der Denker kann alle Antworten auf sämtliche deutschsprachigen Trivial-Pursuit-Fragen - insgesamt 101.100 Karten - auswendig.

Ist der Mann größenwahnsinnig oder gar ein Genie? "Weder noch", lacht Jens Seiler: " Zu einem Großteil ist die ganze Sache einfach harte Arbeit." Um sich die unglaubliche Datenmenge einzuprägen, nutzt der Gedächtniskünstler Gedächtnistechniken, die sogenannten Mnemotechniken. Eine über 3000 Jahre alte Lerntechnik, die es ermöglicht, sich große Mengen Wissen schnell und dauerhaft einzuprägen. Das Prinzip ist einfach: Eine abstrakte unbekannte Information wird mit einem festen Bild verknüpft. Für Frage und Antwort auf einer Trivial-Pursuit-Spielkarte hat Jens Seiler also zwei Bilder im Kopf.

"Strukturierte Eselsbrücken", nennt er 

dies. "Um diese Brücken nutzen zu können,ist allerdings eine Menge Fantasie notwendig."

Die Trivial-Pursuit-Aktion ist nur das neueste Projekt. Jens Seiler hat bereits den 30-bändigen Brockhaus auswendig gelernt, kennt den Inhalt mehrerer Firmenkataloge und ist mehrfacher Weltrekordhalter im Schnellrechnen und in der Gedächtniskunst. Ein Telefonbuch dechiffriert er in Sekunden und sagt man ihm das eigene Geburtsdatum, nennt er ohne nachzudenken den dazugehörigen Wochentag.

"Das Verblüffende bei mit ist die enorme Geschwindigkeit", sagt Jens Seiler. Ansonsten könne sich die Technik und damit auch das Können im Prinzip jeder aneignen, betont er. "Wer bereit ist, Fantasie zu entwickeln und Motivation hat, kann das richtige Lernen lernen.", so Jens Seiler."Jeden Tag gibt es viele Gelegenheiten, um zu üben." Muss er auf den Bus warten, prägt er sich Nummernschilder ein. Die Zahlen sind Bilder. "Jeder Mensch sollte für Zahlen 100 Bilder im Kopf haben", meint Seiler: Mit einem hohen IQ hat die Leistung seiner Meinung nach nichts zu tun.

Jens Seiler verbrachte viele Jahre seiner Kindheit im Krankenhaus. Seine Füße zeigten in die falsche Richtung, er wurde knapp 30 Mal operiert. Bis  zum Alter von 16 Jahren besuchte er keine Schule, bekam Privatunterricht. Durch die strengen Besuchszeiten war er viel allein. zeit, die er mit Lesen verbrachte. Als er endlich aus dem krankenhaus kam, übersprang er eine Klasse, machte dann eine Ausbildung zum Parlamentsstenografen und arbeitete eine Zeit lang im Stuttgarter Landtag, bevor er Jens der Denker wurde.

Wichtig ist ihm heute, dass er nicht nur als Show-Äffchen präsentiert wird, das überall und zu jeder Zeit nur sein Können unter Beweis stellen muss. Sein Ziel ist es, das Wissen, das er sich über die Jahre erworben hat, mit anderen Menschen zu teilen, beispielsweise in Gedächtnisseminaren. Auch über eine Einladung in eine seriöse Talkshow würde er sich freuen. "Eine fundierte Allgemeinbildung scheint heutzutage nicht mehr viel zu zählen", so Seiler. "Ich möchte in gewisser Weise einen Gegenpol zur Spaßgesellschaft bilden."

Paul Wolff